Bundesinnungsmeister Wolfgang Eder; hier mit Lehrlingsbotschafterin Marlene Lettmüller aus Niederiösterreich
@ WKO/Julian Voit

Wie hat sich die Branche in Ihrer bisherigen Amtszeit bzw. Karriere verändert?
Wolfgang Eder: Der Wettbewerb ist sicher stärker geworden. Einerseits hat der Facharbeitermangel zugenommen, gleichlaufend mit dem Lehrlingsmangel, dabei ist die Anzahl der Kunden gleich geblieben, und deren Ansprüche sind gestiegen. Leider gibt es in letzter Zeit auch zunehmend Konkurrenz durch unlauteren Wettbewerb, insbesondere in den letzten ein bis zwei Jahren. Seit 2015 hat da eine extreme Steigerung stattgefunden. Zum Glück ist es inzwischen einzelnen Landesinnungen gelungen, die Behörden wachzurütteln.

Persönlich war für mich in den letzten fünf Jahren vor allem der gesetzlich festgelegte Mindestlohn von 1.500 Euro eine große Herausforderung. Diese große Belastung konnte durch geschicktes Verhandeln und ein Ausstrecken auf vier Jahre abgefedert werden. Positiv war auf jeden Fall auch das neue Berufsbild, das nun den Anforderungen unseres Berufes entspricht. Und auch die Lehrlingsoffensive „Karriere mit Schere“ war erfolgreich. Dabei haben die Bundesländer intensiv mitgearbeitet und einzigartige Sachen auf die Beine gestellt, die es in anderen Branchen nicht gibt. Dann war da natürlich noch die DSGVO. Bei vielen Veranstaltungen vor Ort wurden unsere Kollegen durch die Landesinnungen informiert. Eine Betreuung durch kompetente Partner konnte auch angeboten werden. Und mit dem von der Bundesinnung finanzierten Evaluierungsleitfaden braucht man auch keine Angst vor der AUVA zu haben. Und nicht zuletzt gibt es immer wieder Gespräche mit der Gleichbehandlungskommission. Noch immer haben rund 80 Prozent unterschiedliche Preise für die gleiche Leistung. Die Bundesinnung unterstützt mit einer Musterpreisliste, denn es könnte wieder vermehrt Kontrollen geben.

Wo sehen Sie die drängendsten Probleme und welche Lösungen kann die Innung bieten?
Wolfgang Eder: Ein großes Problem ist das Aussprechen von Teilgewerben. Am besten wäre es, wenn das nicht möglich wäre. Dafür müsste allerdings die Gewerbeordnung geändert werden, und das ist schwierig durchzusetzen. Wir möchten daher den „Friseur als Einheit“ aufstellen, der Friseurdienstleistungen für Damen und Herren umfasst. Zusammen mit der Wirtschaftsuniversität Wien haben wir auch ein „Netz der Kompetenzen“ erarbeitet, das als Instrument für strengere Zulassungen zum Gewerbe dienen soll. Das Vorbild dabei ist die Meisterprüfung. Ein weiteres Ziel ist der reduzierte USt-Satz auf Dienstleistungen. Die Friseure sind da das Pilotprojekt, und das liegt derzeit schon im parlamentarischen Finanzausschuss. Ich habe mit den Jahren gelernt, dass man mit dem Kopf nicht durch die Wand kommt, es dauert alles seine Zeit. Das liegt teilweise natürlich auch an den Sozialpartnern.

Was erwarten Sie sich – als Wirtschaftsvertreter im Allgemeinen, aber auch aus Sicht eines Friseurunternehmers – von der nächsten Bundesregierung?
Wolfgang Eder: Ich hätte gerne eine Regierung wie bisher: In den letzten beiden Jahren gab es mehr Einfluss der Wirtschaft auf die Politik, insbesondere auch durch den Wirtschaftsbund. Das möchte ich erhalten.

Und was sagen Sie Kritikern der Pflichtmitgliedschaft in der WK?
Wolfgang Eder: Ich würde sie fragen, wie das dann nachher funktionieren soll. Wir sind schließlich jetzt Teil der Sozialpartnerschaft. Die Folgen, wenn’s anders ist, kann man in Deutschland sehen: Dort hat man kaum mehr Einfluss auf Löhne, Arbeitszeitgesetz und so weiter. Was soll also stattdessen kommen? Ich sehe das auch im Europavergleich: Da stehen wir klar besser da. Natürlich gibt es auch da und dort Dinge am System zu ändern, das bringt die Zeit mit sich. Aber das Kammersystem an sich ist nicht das schlechteste und ich sehe derzeit keine Alternative. Von denen, die die Abschaffung fordern, hört man ja nie Vorschläge, wie es anders gehen könnte.

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